31.03.2022 Der Zeitenwende auf der Spur
Zu Gast bei Moderator Dr. Helge Matthiesen zum 50. Wirtschaftstalk waren Prof. Dr. Christiane Woopen, Dr. Frank Umbach, Ulrich Voigt und Stefan Hagen.

„Wir erleben eine Zeitenwende. Und das bedeutet: Die Welt danach ist nicht mehr dieselbe wie die Welt davor“, sagte Kanzler Olaf Scholz in seiner Regierungserklärung zum Ukraine-Krieg vor dem Bundestag. Das Wort Zeitenwende und seine Bedeutung beschäftigt seitdem die Gesellschaft – und ebenso die Podiumsgäste des 50. Bonner Wirtschaftstalks am 30. März. Dabei führte Dr. Helge Matthiesen, Chefredakteur des General-Anzeiger Bonn, durch die Veranstaltung.

Zur Jubiläumsveranstaltung „Zeitenwende – Herausforderung der Bonner Wirtschaft“ begrüßte Moderator Dr. Helge Matthiesen Prof. Dr. Christiane Woopen, die die Heinrich-Hertz-Professur Life Ethics innehat, Dr. Frank Umbach vom European Cluster Climate, Energy & Resource Security, Ulrich Voigt, den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse KölnBonn, und Stefan Hagen, den Präsident der IHK Bonn/ Rhein-Sieg und DIHK-Vorstand im Kammermusiksaal des Beethovenhauses.

Gesprächsrunde mit zehnjähriger Tradition

Der Kammermusiksaal ist der Ort, an dem Marcus A. Harzem von medien.de in Zusammenarbeit mit SWB Energie und Wasser, IHK und Sparkasse KölnBonn den Bonner Wirtschaftstalk vor zehn Jahren aus der Taufe gehoben hat, um die jährlich stattfindenden Bonner Wirtschaftsgespräche zu ergänzen. Die Gesprächsrunde mit hochkarätigen Gästen behandelt seither nicht Themen aus der Beethovenstadt, sondern aus Bonn heraus bundesweit relevante Wirtschaftsfragen.

„Ich freue mich über den Erfolg des Bonner Wirtschaftstalk, der ohne unsere Partner wie die Stadtwerke als Unterstützer nicht realisiert werden könnte“, sagte Harzem. „Wir blicken auf eine bisherige Laufzeit von zehn Jahren zurück, das ist schon ein Wert für ein solches Format. Wir erfreuen uns eines hohen Bekanntheitsgrades, sodass wir hochkarätige Gäste begrüßen können, ob Parteivorsitzende wie Christian Lindner, den Telekom-Vorstandsvorsitzenden Tim Höttges oder Bundeskartellamt-Präsident Andreas Mundt. Und dieses Mal können wir auch endlich wieder Publikum in Präsenz begrüßen“, so Harzem weiter.

Welche Werte leiten die Gesellschaft in diesen Zeiten?

Vor zehn Jahren hieß es bei Premiere des Wirtschaftstalks auf jeden Fall „Tue Gutes. Warum?“. Bei der Jubiläumsausgabe sollte es an für sich um „Tue Gutes. Jetzt“ und um den Austausch über soziale Gerechtigkeit in Bonner Unternehmen gehen. Doch stattdessen rückten die aktuellen Ereignisse in den Fokus, betrachtet nach übergeordneten Gesichtspunkten.Welche Werte leiten die Gesellschaft in der angekündigten Zeitenwende: Freiheit und Demokratie?

„Die Demokratie wird laut einer Umfrage der Körber-Stiftung von 50 Prozent der Befragten nicht mehr als vertrauenswürdig empfunden, nur 55 Prozent glauben, sagen zu können, was sie möchten“, so Prof. Christiane Woopen. „Nur 18 Prozent der Deutschen wären bereit, ihr Land zu verteidigen. All das wirft Fragen auf. Wir müssen dafür sensibilisieren, dass das, was wir haben, nicht selbstverständlich ist“, sagte Frank Umbach. „Das ist eine Bildungsaufgabe, eine Aufgabe aller gesellschaftlichen Akteure, der Politik, der Medien. Der Resonanzraum zwischen Politik und Gesellschaft ist größer geworden, Diskussionen sind nicht auf Augenhöhe, nicht sachorientiert. Das ist eine Entwicklung, die der Demokratie nicht guttut“, meinte Woopen.

„Haben wir es mit einer Zäsur zu tun?“, fragte Matthiesen seine Gäste. „Systemische Verunsicherung gibt es seit den 70er Jahren“, antwortete Woopen und gab einige persönliche Beispiele: „Durch das Schleyer-Attentat der RAF, die Terroranschläge vom 11. September 2001, die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche, die genetische Manipulation von Babys, die Corona-Pandemie und jetzt den Ukraine-Krieg. Wir müssen uns auf schwierige Zeiten einstellen.“ Dem stimmt Ulrich Voigt zu: „Wir sind wirtschaftlich nicht gut aufgestellt, nicht resilient als Gesellschaft und Kriegskrisen gegenüber nicht gewappnet. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass wir nun in einem feindlichen Umfeld leben.“

„Der Mensch ist bemüht, das Glück zu suchen“

„Kommen wir denn heraus aus der Krise?“, fragte Matthiesen seine Podiumsgäste abschließend, nachdem sie sich über die globalen Auswirkungen des Ukraine-Krieges ausgetauscht hatten. Übereinstimmend zogen die vier ihr Fazit: Die Zukunft wird anstrengend werden. Dennoch zeigte sich Hagen zuversichtlich: „Der Mensch ist bemüht, das Glück zu suchen. Und so wird das Gesamtsystem am Ende des Tages funktionieren.“

Eine Aufzeichnung des 50. Bonner Wirtschaftstalks finden Interessierte unter www.bonner-wirtschaftstalk.de. (sm)

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