31.03.2022 Warum wir (immer noch) die Zeit umstellen

Wer vom Jetlag der Zeitumstellung letztes Wochenende betroffen ist, dem können wir die Müdigkeit nicht nehmen, dafür aber Hintergründe liefern. In diesem Artikel erklären wir, wer Urheber der Idee gewesen ist, und warum die Uhren noch immer umgestellt werden, obwohl das EU-Parlament die Abkehr von der Zeitumstellung beschlossen hatte.

Ein englischer Bauunternehmer hat eine Idee

Gerüchten zufolge kam dem englischen Bauunternehmer William Willett die Idee bei einem frühmorgendlichen Ausritt, wo er bemerkte, dass noch an allen Häusern die Rollladen geschlossen waren. 1907 brachte er eine Schrift mit dem Titel „The Waste of Daylight“ heraus. Sein Vorschlag war, dass die Uhren im Sommer um 80 Minuten vorgestellt werden sollten und zwar nicht an einem Tag, sondern an vier aufeinanderfolgenden Sonntagen um jeweils 20 Minuten.

Im September sollten die Uhren dann auf dieselbe Art zurückgestellt werden. Willett hatte errechnet, dass durch die längere Helligkeit jährlich 2,5 Millionen Pfund an Beleuchtungskosten eingespart werden können. Er selbst hat die Sommerzeit dann nicht mehr erlebt. Der Geschäftsmann starb ein Jahr vor der Umsetzung.

In Berlin tickten die Uhren unterschiedlich

Deutschland und England sind Vorreiter gewesen und führten die Sommerzeit bereits 1916 ein. Hintergrund war der Erste Weltkrieg, Energie musste eingespart werden. Mit Ende des Krieges wurde sie auch prompt wieder abgeschafft, nur um 1940 wieder aus denselben Gründen von den Nationalsozialisten wieder eingeführt zu werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland keine einheitlichen Regel. In Berlin lebten die Menschen sogar nach unterschiedlichen Zeiten, abhängig von der jeweiligen Besatzungsmacht.

So dauerte 1945 die Sommerzeit im sowjetische Teil der Stadt zwei Monate länger als in den übrigen Stadtteilen. 1949 war dann erst einmal Schluss mit dem Uhren umstellen. Erst 1980 wurde die Sommerzeit wieder in Deutschland eingeführt. In vielen europäischen Ländern wurde bereits seit 1977 wieder an der Uhr gedreht, Hintergrund war die Ölkrise von 1973. Europaweit einigte man sich 1996 auf eine einheitliche Regel zur Zeitumstellung. Am letzten Sonntag im März wird die Uhr eine Stunde vorgestellt, am letzten Sonntag im Oktober wieder eine Stunde zurück. 

Ist die Zeitumstellung noch sinnvoll?

Zumindest ist das Umstellen immer umstrittener. Es wird zwar Strom durch den geringeren Einsatz von künstlichem Licht eingespart, aber zeitgleich steigt der Verbrauch an Heizenergie an. Die macht mit 70 Prozent den Großteil der Energiekosten eines Haushaltes aus. Hier lässt sich über das ganze Jahr verteilt Energie einsparen, durch eine effiziente Heizanlage, eine gute Dämmung und Kontrolle der Raumtemperatur. Übrigens: An zweiter Stelle steht als Energiefresser das Warmwasser. Hier ergibt sich durch Duschen mit einem wassersparenden Duschkopf ein erhebliches Sparpotenzial anstelle des Vollbads.

Auch aus der Wirtschaft kommt Kritik. Erst nach einer Woche haben sich viele Menschen an die umgestellte Uhr gewöhnt, das wirkt sich auf die Produktivität aus. Bei vielen Unternehmen, wie auch bei den Stadtwerken, wird in den Nachtstunden gearbeitet. Hier muss die maximale Arbeitszeit und Pausenzeiten beachtet werden, zumindest bei der Umstellung auf die Winterzeit, wenn zum Beispiel unsere Nachtbusse eine Stunde länger fahren oder im Schichtbetrieb des Heizkraftwerks. 
 

Daran hakt es

Aus diesen Gründen ist ein Großteil der Europäerinnen und Europäer dafür, die Zeitumstellung abzuschaffen. Das hat die EU-Kommission 2018 dann auch vorgeschlagen und fand ein Jahr später den Zuspruch des Europa-Parlaments. Was fehlt, ist die endgültige Entscheidung des Europäischen Rates, ob die Sommerzeit oder die sogenannte Normalzeit beibehalten wird. Wir dürfen also gespannt sein, wie lange es noch heißt: „Heute Nacht werden wieder die Uhren umgestellt!“ (mw)

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