Zwei Jahre nach Abschluss des Rahmenvertrags zum Ausbau von Photovoltaik-Anlagen auf kommunalen Gebäuden ziehen Stadt und Stadtwerke Bonn (SWB) eine positive Zwischenbilanz: Bereits 60 Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 2,7 Megawatt sind realisiert worden. Weitere Projekte befinden sich in der Umsetzung.
Der 2024 geschlossene Rahmenvertrag zwischen dem Städtischen Gebäudemanagement (SGB) und SWB Energie und Wasser sieht vor, dass die Stadtwerke geeignete Dachflächen pachten, die Anlagen finanzieren, errichten und betreiben. Der erzeugte Strom wird direkt vor Ort genutzt, etwa in Schulen, Kitas, Verwaltungsgebäuden oder Sporthallen. Die Stadt Bonn spart dadurch Stromkosten, ohne selbst Investitionen in die Anlagen tätigen zu müssen.
„Der Ausbau erneuerbarer Energien auf unseren kommunalen Gebäuden ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität in Bonn. Mit dem Rahmenvertrag haben wir gemeinsam mit den Stadtwerken eine pragmatische und wirtschaftliche Lösung geschaffen, um den Ausbau der Solarenergie deutlich zu beschleunigen. Mir ist es wichtig, dass die Stadt auf ihren eigenen Gebäuden hier als gutes Vorbild vorangeht“, sagt Oberbürgermeister Guido Déus.
Sichtbarer Klimaschutz vor Ort
Für den OB ist es eine Win-win-Situation für alle Seiten: „Die bisher umgesetzten Projekte zeigen, wie erfolgreich die Zusammenarbeit funktioniert. Besonders wichtig ist dabei, dass wir Klimaschutz konkret und sichtbar vor Ort auf öffentlichen Gebäuden ermöglichen.“
Zu den größten realisierten Anlagen zählen unter anderem die Sporthalle der Gesamtschule Beuel mit 162 Kilowattpeak auf dem Dach sowie das Katastrophenschutzzentrum Beuel mit 173 Kilowattpeak installierter Leistung. Die bislang installierten 2,7 Megawatt Gesamtleistung erzeugen jährlich rund 2,5 Millionen Kilowattstunden Solarstrom. Damit könnten schon jetzt rein rechnerisch etwa 700 Haushalte mit Sonnenenergie versorgt werden. Gleichzeitig werden rund 880 Tonnen CO₂ pro Jahr eingespart.
Partnerschaft mit Vorbildfunktion
„Wir haben die Prozesse zwischen allen Beteiligten inzwischen sehr gut etabliert. Das ermöglicht uns, Projekte effizient umzusetzen und den PV-Ausbau auf kommunalen Gebäuden kontinuierlich voranzutreiben“, erklärt Marco Westphal, SWB-Konzerngeschäftsführer und Geschäftsführer von SWB Energie und Wasser.
Für den Stadtwerke-Chef kann der Rahmenvertrag Vorbild für andere Städte sein: „Er ist ein gutes Beispiel dafür, wie kommunale Zusammenarbeit die Energiewende beschleunigt. Bonn nimmt hier gemeinsam mit den Stadtwerken eine Vorreiterrolle ein.“
Allein 2026 wurden weitere Anlagen mit einer Leistung von 878 Kilowatt in Betrieb genommen. Weitere 1.025 Kilowatt befinden sich aktuell in der Umsetzungsphase. Ziel ist es, künftig rund zwei Megawatt Photovoltaik-Leistung pro Jahr auf städtischen Gebäuden neu zu installieren.
Viele Faktoren entscheiden über Eignung
Eine zentrale Herausforderung bleibt dabei die Identifikation geeigneter Dachflächen. Für einen wirtschaftlichen Betrieb muss unter anderem die Statik passen sowie die Restlebensdauer des Daches. Diese sollte bei mindestens 20 Jahren liegen.
2024 hatte das SGB in einer ersten Machbarkeitsuntersuchung 200 Dächer von insgesamt rund 870 kommunalen Gebäuden geprüft. 43 Dächer wurden dabei unmittelbar als geeignet identifiziert. Weitere Gebäude bedurften einer individuellen Prüfung, zum Beispiel aufgrund spezieller Dachkonstruktionen oder wegen Sanierungsbedarfs.
Neue Machbarkeitsstudie geplant
„Der eigentliche Flaschenhals liegt inzwischen weniger in der technischen Umsetzung als vielmehr in der Bewertung geeigneter Dachflächen. Deshalb arbeiten wir gemeinsam mit dem SGB kontinuierlich daran, weitere geeignete Gebäude zu identifizieren“, sagt Sebastian Messner, Leiter des Fachbereichs Erneuerbare Energien bei SWB Energie und Wasser.
SGB-Chef Rachid Jaghou ergänzt: „Für Ende 2026 planen wir den Start der zweiten Machbarkeitsuntersuchung zu städtischen Dächern. Wir sehen hier enormes ungenutztes Potential und sind überzeugt, dass wir gemeinsam mit unseren Partnern noch viele weitere geeignete Gebäude erschließen können - Schulen, Kitas und Bürogebäude eingeschlossen, denn jedes Dach, das wir gewinnen, ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigen Stadt.“
Für beide Partner steht das Ziel fest: Sukzessiv soll jede geeignete kommunale Dachfläche mit Solarmodulen ausgestattet werden. Das rechnet sich nicht nur fürs Klima, sondern auch für Stadt und Stadtwerke Bonn. (se)