17.07.2026 Eine Handvoll Fragen – Was macht das HKW eigentlich im Sommer?
Zu sehen ist ein Mann mit blauem Baumheld, der in die Kamera lächelt. Er steht in eine Heizkraftwerk vor einer Turbinencontainer. Links hinter ihm hängt eine Anzeigetafel, die die Turbine im Innern abbildet.
Rolf Driller arbeitet seit 37 Jahren für die SWB und spricht über den sommerlichen Betrieb des Bonner Heizkraftwerks. (Foto: SWB/Martin Magunia)

Wenn Temperaturen auf 30 Grad und höher steigen, könnte man annehmen, dass es weder Heizung noch Fernwärme braucht. Warum das Heizkraftwerk (HKW) Nord in Bonns Weststadt auch in den warmen Monaten in Betrieb ist, das erklärt Rolf Driller, Technischer Mitarbeiter im HKW von SWB Energie und Wasser.

Warum steht das Heizkraftwerk im Sommer nicht einfach still?

Rolf Driller: Wir haben auch im Sommer die Aufgabe, die Grundversorgung mit Fernwärme und Strom sicherzustellen. Das beginnt mit der Erzeugung im HKW mithilfe des Dampfes der Müllverwertungsanlage und geht weiter mit der Versorgung unserer Kundschaft. Ebenso benötigen wir die Energie für unsere eigenen Liegenschaften. Zum Beispiel für das BonnNetz-Gebäude, das Rechenzentrum und unsere HKW-Gebäude. Deshalb haben wir immer gewisse Energiemengen, die wir erzeugen müssen.

Welche Arten von Wärme oder Strom erzeugen Sie im Sommer speziell?

Rolf Driller: Trotz der hohen Temperaturen müssen Strom und Fernwärme weiterhin erzeugt werden. Beispielsweise für Heizungen und Warmwasser für unsere Kundinnen und Kunden. Aber wir brauchen auch Wärme, für die Produktion von Absorptionskälte. Die wird nämlich genutzt, um das Rechenzentrum sowie unsere HKW- und BonnNetz Gebäude bei der Hitze rund um die Uhr zu kühlen. Grundsätzlich kann man sagen, dass wir im Sommer vor allem Strom produzieren, aber auch Kälte für unsere eigenen Gebäude auf der Karlstraße. Während wir ab Herbst und dann im Winter und Frühjahr auch wieder mehr Fernwärme erzeugen.

Braucht es an warmen Tagen mehr oder weniger Brennstoff? Und wie wirkt sich das auf die Kosten aus?

Rolf Driller: Da wir im Sommer insgesamt einen geringeren Fernwärme- und Strombedarf haben, braucht es entsprechend weniger Brennstoff und somit sinken auch die Kosten. Wir haben bis zu 80 Prozent weniger Brennstoffkosten als im Winter. Die Brennstoff- und Betriebskosten steigen dann wieder ab Herbst und liegen im Winter und Frühjahr am höchsten. Diese Unterschiede kommen nicht nur durch den Kundenbedarf zustande, sondern werden natürlich auch von den Außentemperaturen bestimmt. Zusätzlich werden die Kosten durch die volatilen Strom- und Gaspreise beeinflusst.

Nutzen Sie die warmen Sommermonate für Wartungspausen oder Check-ups?

Rolf Driller: Ja, unsere Gas- und Dampfturbinen-Anlagen, kurz GUD, befinden sich jeden Sommer in großen oder kleinen Revisionen. Diese starten immer im Juni und enden im August. Dann werden alle Anlagenkomponenten gewartet und im Anschluss daran macht der TÜV die Abnahme. Ähnlich wie bei Auto-Inspektionen. Und wenn laut TÜV alles in Ordnung ist, nehmen wir die GUD-Anlagen ab September in Betrieb und fahren die Fernwärme- und Stromproduktion dort wieder hoch.

Wir schauen dann bis zum nächsten Sommer, welche Anlagenkomponenten bei der nächsten Revision besonders berücksichtigt und gegebenenfalls gewartet und ertüchtigt werden müssen. Dieses Jahr sind es etwa 200 Armaturen, also beispielsweise Ventile oder Antriebe, die geprüft, instandgesetzt und bei Bedarf ausgetauscht werden. Es werden unter anderem die Verrieselungsanlagen im Kühlturm ausgetauscht, Großmotoren, Umwälzpumpen und Wärmetauscher überholt sowie der Kühlwasserkreislauf gereinigt – um nur ein paar Maßnahmen zu nennen.

Aufgrund gestiegener Sicherheitsanforderungen werden in der Zeit der Revision außerdem Soft- und Hardware-Updates nach gesetzlichen Vorgaben für unsere Prozessleittechnik durchgeführt. Diese werden noch vor Beginn der Heizperiode getestet und anschließend in Betrieb genommen.

Für die Dauer der Revision der GUD-Anlagen übernehmen die Heißwasserkessel im Heizwerk Süd und die Bestandsanlagen im HKW Nord die Strom- und Fernwärmeproduktion, damit die Versorgung weiter sichergestellt ist.

Welche Herausforderungen sehen Sie bei der Netz- oder Wärmeabgabe im Sommer und wie gehen Sie damit um? Haben Sie einen besonders herausfordernden Sommer in Erinnerung?

Rolf Driller: Sehr herausfordernd können besondere Wetterereignisse wie Starkregen oder schnelle Wetteränderungen sein. Denn diese haben einen unmittelbaren Einfluss auf die Erzeugungsmenge von Fernwärme, die benötigt wird. Das Heizkraftwerk ist für solche Fälle 24/7 in Wechselschichten besetzt. Die Mitarbeitenden reagieren dann kurzfristig auf derlei Wetterereignisse, um in der Erzeugung nachzuregulieren. Eine häufig gestellte Frage von Besuchergruppen ist auch: Was ist, wenn der Rhein im Sommer wenig Wasser hat? Betrifft das auch den Betrieb oder die Kühlwasserleistung im HKW? Dem ist nicht so. Wir sind in unseren Heizkraftwerken jederzeit unabhängig vom Rheinpegel. Denn unser Kühlwasser erhalten wir über Grundwasser aus Tiefenbrunnen, was im Anschluss aufbereitet und in einem geschlossenen Kühlwasserkreislauf genutzt wird.

Als besonders herausfordernd habe ich einen Sommer vor rund zehn Jahren in Erinnerung. Damals gab es eine sehr lange Trockenperiode und somit einen hohen Strombedarf, weil viele Endkunden diesen für die Klimatisierung ihrer Liegenschaften und Gebäude brauchten. Inzwischen wird in Bonn ja auch mehr Strom über beispielsweise Photovoltaik erzeugt. Das macht tatsächlich einen Unterschied. Aber damals war das eine sehr anstrengende Zeit. (cp)

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