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Aktuelles

15.01.2016

Bonner Wirtschaftstalk: "Ein VW Golf ist eben kein Lamborghini"

Bonner Wirtschaftstalk:
Der Bonner Wirtschaftstalk an neuem Ort in der Bundeskunsthalle.

Was unterscheidet gute von schlechter Kunst, und ist der Wert eines Kunstobjektes zweckgebunden oder eher ästhetisch zu bemessen? Diese Fragen stellten sich die vier Diskussionsteilnehmer im 21. Bonner Wirtschaftstalk in der Bundeskunsthalle Bonn.

Der neue Veranstaltungsort passte perfekt zum Thema. Zu der Premiere des Wirtschaftstalks im Forum der Bundeskunsthalle kamen mehr als 350 Zuhörer. Die kontinuierlich wachsenden Besucherzahlen machten den Umzug der erfolgreichen Veranstaltungsreihe vom Kammermusiksaal des Beethovenhauses in das Forum der Bundeskunsthalle notwendig.

Kunst und Kommerz
Moderiert von Jörg Thadeusz diskutierten der Galerist Daniel Claude Hug (Direktor der Kunstmesse Art Cologne), der Intendant der Bundeskunsthalle Rein Wolfs, der Kanzler der Alanus Hochschule Dirk Vianden sowie Künstler und Publizist Dr. Roland Schappert über den Wirtschaftsfaktor Kunst und dessen kommerzielle Bedeutung für Künstler, Kuratoren und Galeristen.

"Viele Künstler kommen mit ihren jährlichen Einnahmen kaum über die Runden und trotzdem leben sie mit großer Leidenschaft ihre Kunstvorstellung aus, weil sie einen anderen Zugang zur Kunst haben als der neutrale Beobachter", sagte der bildende Künstler Dr. Roland Schappert. Von daher sei es ein Weg des großen Kontrastes für viele Kunstschaffende. "Nur einigen Wenigen gelingt der ganz große Wurf, wobei damit noch immer nicht die Frage beantwortet ist, was gute von schlechter Kunst trennt", so Schappert.  Dafür fand der gelernte Jurist Dirk Vianden eine prägnante Antwort. "Unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten wird gute Kunst an ihrem Wert bemessen, den sie erzielt, wenn sie weiterverkauft wird." Allerdings wandte Daniel Claude Hug ein, dass das Potential vieler Künstler erst nach deren Tod erkannt werde. "Van Gogh hat zu Lebzeiten nur ein Bild verkauft. Die Wertschätzung für seine Arbeiten ist erst nach seinem Tod rasant gestiegen." Der Marktwert allein entscheide daher nicht über gute oder schlechte Kunst. "Vielmehr sei es häufig ein aufregendes, schockierendes Alleinstellungsmerkmal, dass ein Kunstwerk einzigartige Werte erzielen lässt."

Vielmehr würden vor allem ästhetische Gesichtspunkte den Unterschied machen. "Ein VW Golf ist eben kein Lamborghini", betonte Dr. Roland Schappert. Es gebe ein großes Überangebot an durchschnittlicher Kunst. Den Unterschied würden die Werke machen, die zur Diskussion gestellt würden. Diese Ansicht vertrat auch der Intendant der Bundeskunsthalle Rein Wolfs. "Gute Kunst ist meistens nicht zielführend. Sie verfolgt keinen Zweck und will auch nicht instrumentalisiert werden." Und so sei ein monetärer Wert eben auch nur ein Ansatz für einen Künstler. Vielen Künstlern gehe es vielmehr darum, eigene Ideen zu verwirklichen.

Das sei auch der Idealismus vieler Nachwuchskünstler, die derzeit ihr Handwerk an der Alanus Hochschule in Alfter erlernten, erklärte der Kanzler der privaten Hochschule Dirk Vianden. "Unsere Nachwuchskräfte werden von Idealen getrieben. Sie wollen gute Kunst machen. Unsere Aufgabe ist es, ihnen beizubringen, dass sie damit auch in Zukunft ihren Lebensunterhalt verdienen müssen." Problematisch sei eben, dass viele Kunstwerke nicht exquisit sind. Ein Sterling Ruby oder ein Gerhard Richter hätten für ihre ersten Zeichnungen und Malereien ein Prozent von ein paar tausend Dollar verdient. "Diese Werke waren eben nicht außergewöhnlich", so Daniel Claude Hug. Aber als sie ihrer Kunst das gewisse Etwas verliehen hatten, seien sie zu einzigartigen Künstlern geworden.

So lassen sich dann auch bei Versteigerungen Verkaufswerte von bis zu 250 Millionen Dollar für ein Einzelstück erzielen. Allerdings profitieren hiervon nur zu einem kleinen Prozentwert die Künstler selbst. "Leider landen die Einnahmen häufig bei Spekulanten und Sammlern, deren Ziel nur der persönliche Profit ist", resümierte Rein Wolfs.(mh)

Der Bonner Wirtschaftstalk
Der Bonner Wirtschaftstalk ist eine Veranstaltungsreihe, die von SWB Energie und Wasser, Sparkasse KölnBonn sowie der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg getragen wird. Beim Bonner Wirtschaftstalk diskutieren Vertreter der lokalen Wirtschaft, aber auch externe Experten und Politiker Fragestellungen und Themen, die den Wirtschaftsstandort Bonn betreffen. Die Veranstaltung findet im Turnus von acht Wochen statt.

Mehr Hintergründe, Hinweise zur Berichterstattung, eine Fotogalerie und eine Aufzeichnung des Talks finden sich auf bonner-wirtschaftstalk.com und Facebook.com/Blaue.Couch.

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