21.09.2019 "Lange Nacht der Industrie": 80 Besucher besichtigten mit Müllverwertungsanlage und Heizkraftwerk Nord der Stadtwerke Bonn hocheffiziente Anlagen
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Einblicke und Ausblicke bei der "Langen Nacht der Industrie": v.l. die SWB-Mitarbeiter Saskia Kutsche, Rolf Driller und Antonia Windheuser führten 80 Besucher durch die hocheffizienten Anlagen des HKW Nord und der MVA.

"Das sieht ja aus wie ein riesiger Gartenschlauch", sagt Dennis Hörner. "Diese grünen Rohre sind unsere Kühlwasserleitungen", erklärte Rolf Driller. Der SWB-Techniker führte die Teilnehmer der "Langen Nacht der Industrie", bei der diese Einblick in regionale Unternehmen bekommen können, durch das Heizkraftwerk (HKW) Nord von SWB Energie und Wasser. Zuvor hatten die Besucher schon einen zweistündigen Stopp in der Müllverwertungsanlage (MVA) der SWB Verwertung gemacht. Jede Menge Zahlen, Einblicke und Ausblicke beeindruckten sie bei der Besichtigung beider Unternehmen nachhaltig.

Das HKW an der Karlstraße in Endenich war dieses Jahr erstmalig ein Touren-Angebot im Programm der "Langen Nacht der Industrie", und ein sehr gefragtes obendrein: Wim de Vries hat sich vor allem deshalb angemeldet, um hier einmal hinter die Kulissen gucken zu können: "In der MVA war ich schon dreimal, es ist immer wieder faszinierend dort, aber das HKW hat mich noch mehr interessiert."

Kommunale Versorgungssicherheit vor Ort erleben
"Es ist die Gelegenheit, kommunale Versorgungssicherheit auch einmal vor Ort zu erleben", stimmte ihm Driller zu. Und dies an einem geschichtsträchtigen Standort, so erfahren die Besucher von ihm: Denn 1879 hatte das Bonner Gaswerk als erstes städtisches Unternehmen seinen Betrieb an der Karlstraße aufgenommen. Seitdem hat sich viel getan: Die Stadtwerke Bonn haben 2013 alte und neue Anlagen-Teile kombiniert sowie modernisiert und das Kraftwerk zu einem leistungsstarken Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk weiterentwickelt.

Davon konnten sich die Besucher selbst überzeugen und zum Beispiel unter Brummen und Summen der Maschinen einen Blick auf den 100 Tonnen schweren Kondensator der neuen Dampfturbine im neuen Turbinenhaus, den Abhitzekessel mit der vorgeschalteten Gasturbine, die Wasseraufbereitungsanlagen und die rund um die Uhr besetzte Schaltwarte werfen. Driller: "Die Kollegen in der Schaltwarte, Kraftwerker, kennen die gesamte Prozesskette. Tritt eine Störung auf, wissen sie, wo sie die Produktion unterbrechen und Ersatzmaßnahmen treffen müssen, da die Stadtwerke Bonn rund um die Uhr die Versorgungssicherheit gewährleisten."

Hochmodernes Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk
"Seit der Modernisierung sparen wir jährlich bis zu 194.000 Tonnen Kohlendioxid ein. Dank einer innovativen Gas- und Dampfturbinenanlage unter Berücksichtigung der Kraft-Wärme-Kopplung wird ein Gesamtwirkungsgrad von rund 90 Prozent erreicht", erklärt Rolf Driller seinen Besuchern weiter. Die Stromerzeugung ist seitdem um 30 Prozent gestiegen. Die spezifischen CO2-Emissionen für Strom konnten dabei um 55 Prozent, die für Wärme um 48 Prozent gesenkt werden. Seit dem Ausbau produziert das Kraftwerk hocheffizient bis zu 575 Millionen Kilowattstunden Strom und 520 Millionen Kilowattstunden Fernwärme pro Jahr.

"Nabelschnur" zwischen MVA und HKW
Das HKW nutzt dabei den bei der Verbrennung des Mülls entstehenden Dampf (mit der Hitze des Feuers wird Wasser erwärmt) aus der nahgelegenen MVA. Er wird durch die so genannte "Nabelschnur" mit 400 Grad und 40 Bar über 150 Meter ins HKW geschickt. Das hatte SWB-Mitarbeiterin Saskia Kutsche den Teilnehmern der Langen Nacht der Industrie zwei Stunden zuvor bei der Führung durch die Müllverwertungsanlage erklärt.

Anlieferung von rund 800 Tonnen Abfall pro Tag
An einem Werktag werden rund 800 Tonnen Abfall in der auf drei Linien laufenden MVA angeliefert. Für die LKW geht es bei der Anlieferung erst einmal auf die Waage. Für die Gäste des Abends zum Spaß auch: 2,76 Tonnen brachten sie immerhin zusammen, bevor sie der MVA als Erstes auf Dach stiegen und einen wunderbaren Ausblick über Bonn und Region bei untergehender Sonne genossen und den 98 Meter hohen MVA-Schornstein sahen, aus dem ausschließlich gereinigte Rauchgase und Wasserdampf strömen. Denn die MVA verfügt über ein ausgefeiltes Rauchgasreinigungssystem, das drei viertel der Anlage einnimmt. Nur ein viertel entfällt auf den Bunker und den Kessel. Als nächstes ging es für die Besucherinnen und Besucher in die Leitwarte von wo es neben den Monitoren zur Überwachung der Emissionen auch die beiden Müllbunker zu beobachten gab.

"Die Greifer schaffen es, in einem Hebevorgang drei bis fünf Tonnen Müll in die Einfülltrichter der Verbrennung zu werfen", erklärte Saskia Kutsche. Gebannt schauten die Besucher ihnen bei der Arbeit durch riesige Glasscheiben von der rund um die Uhr besetzten Leitwarte aus zu. Der letzte Stopp in der MVA galt dem Schlackebunker. "Hier landet alles, was nach der Verbrennung noch übrig ist. Das können auch mal kuriose Dinge sein, wie der Unterteller aus Kupfer, die Sie bei der Begrüßung im Verwaltungsgebäude auf dem Tisch gesehen haben". Aber nicht nur Dekoratives findet sich in der Schlacke, auch viele nützliche Rohstoffe, die nach der Verbrennung dem Recyclingkreislauf wieder zugeführt werden, sind hier enthalten.

Hintergrund: "Lange Nacht der Industrie"
Die "Lange Nacht der Industrie" findet jährlich deutschlandweit statt. Unter dem Motto "Erlebe Industrie live" bringt sie zusammen, was zusammen gehört: die Industrie als bedeutenden Wirtschaftsfaktor und die regionale Bevölkerung. Interessierte Menschen erleben spannende Industrieunternehmen, attraktive Arbeitgeber und engagierte Ausbilder hautnah – Unternehmen jeder Größe und Industriebranche lernen ihre Zielgruppen direkt vor Ort kennen. Dies auf Touren, bei der maximal 40 Teilnehmer am Abend zwischen 17.15 und 22.30 Uhr zwei Unternehmen besuchen. Die "Lange Nacht der Industrie" gibt es seit 2008. Inzwischen haben sich mehr als 640 Unternehmen und rund 77.000 Teilnehmer in bundesweit zwölf Regionen an dem Projekt teilgenommen. Info: www.langenachtderindustrie.de

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