28.06.2019 Das liebe Geld: 39. Bonner Wirtschaftstalk über die Zukunft des Zahlungsverkehrs
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Der 39. Bonner Wirtschaftstalk stand unter dem Motto „Geld 4.0“.

Über Geld spricht man nicht, heißt es gewöhnlich. Doch beim 39. Bonner Wirtschaftstalk stand es einen ganzen Abend lang im Mittelpunkt. Schließlich ging es im Gespräch mit vier Experten dieses Mal unter dem Motto „Geld 4.0“ um die Zukunft unserer Banknoten und Münzen, um smartes Geld, um Kryptowährungen, um Neobanken, um Fintechs und darum, welche Entwicklungen der Bankwirtschaft im Zuge dessen ins Haus stehen.

Doch der Abend begann mit einer simplen Frage: „Wer hat den Weg hierhin mit Bargeld bezahlt, wer mit EC-Karte, wer online, wer mit Handy?“, erkundigte sich Moderatorin Nathalie Bergdoll bei ihren Gästen. Knapp hatte das Bargeld wieder einmal die Nase vorn. Wie meist, bei den Deutschen. Denn kaum ein anderes Land liebt Bargeld so sehr. „Der Anteil des bargeldlosen Zahlungsverkehrs steigt. Dreiviertel aller Transaktionen am Point of Sale werden bei uns aber noch mit Bargeld getätigt“, bestätigte dann auch Podiumsgast Prof. Dr. Bernd Heitzer, der Rektor der Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe. „Die Infrastruktur ist noch nicht soweit“, so Heitzer.

Deutsche bevorzugen nach wie vor Bargeld
Wegen dieser Präferenz, erklärte Nicole Handschuher, Mitglied des Vorstands der Sparkasse KölnBonn, betreibe die Sparkasse auch noch über 60 Geldautomaten in der Region. Und das, obwohl Bargeld eine kostenintensive Angelegenheit für Banken sei, da die Logistik und die Infrastruktur vorgehalten werden müssten. „Wir haben keinen klassischen Zahlungsverkehr mit Privatkunden und müssen kein Bargeld vorhalten“, erklärte der dritte Podiumsgast,Christian Buhr, Direktor Unternehmensfinanzierung der KfW Bankengruppe. Denn die KfW sei eine Förderbank.

Kinder lernen Umgang mit Geld durch Bargeld
Für Sandra Ficht, Vice President & Head of Digital Banking der Capgemini Invent, eines weltweit tätigen Beratungsunternehmens für Management, IT, Technologie-Services und Digitale Transformation, liegen die Gründe für das Festhalten am Bargeld auf der Hand: „Dinge setzen sich dann durch, wenn sie für den Verbraucher bequem und sicher zu nutzen sind.“ „Aber wer braucht denn überhaupt noch Bargeld außer Rentnern, Geldwäschern, Datenschützern und Nostalgikern?“, hakte Bergdoll nach. Kinder zum Beispiel, so Ficht. Denn so lernen sie den Umgang mit Geld, wenden Kopfrechnen an. Fichts Fazit: „Bargeld ist trotzdem kein Muss, aber es ist auch nicht obsolet.“

Vertrauen in Kryptowährungen muss gegeben sein
Doch was halten die Finanzexperten von Kryptowährungen, zum Beispiel der angekündigten Facebook-Währung Libra? „Die Hoheit über Währungen haben die Zentralbanken, gottseidank“, sagte Handschuher. Diese seien im Gespräch mit Facebook über Regularien und Anforderungen. Facebook könnte durch das Anlegen des Libra in Millionensummen in Staatsanleihen sogar zum Gläubigen von Staaten werden – ein Szenario, bei dem „ich als Notenbanker unruhig werden würde“, so Heitzer. „Noch ist es ja ein theoretisches Konstrukt“, sagte Buhr, „aber wir verfolgen die Entwicklung mit Interesse. Aber damit eine Währung akzeptiert wird, braucht es Vertrauen. Ich habe Zweifel, dass das Vertrauen in diesem Fall da ist.“

KfW testet in Entwicklungszusammenarbeit Blockchain-Plattform
„Online-Neuland“ betritt die KfW gerade selbst mit zwei Pilotprojekte in Burkina Faso und Brasilien: Mithilfe der Blockchain-Plattform Trubudget sollen geberfinanzierte Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit noch effizienter und wirksamer gestalten werden. „Die Pilotprojekte laufen gut, aber ich kann mir noch kein Urteil erlauben, ob das auch in anderen Ländern funktioniert“, so Buhr.

Akzeptanz für Neues schaffen
Deutlich wurde an diesem Abend, egal, wohin die Reise von Geld 4.0 letztendlich geht, welche Wege genutzt werden: Etablierte Banken können von Neobanken und umgekehrt lernen. Berührungsängste mit Fintechs – Unternehmen, die neue technologische Finanzinstrumente und -dienstleistungen anbieten – brauchen Banken wie Kunden nicht zu haben. Banken könnten die ihnen vorliegenden Daten im Sinne der Kunden sinnvoller nutzen. Alle Parteien sollten im digitalen Prozess mitgenommen werden, um Akzeptanz für Neues zu schaffen. Und dem klassischen Bank-Kundenberater wird künftig eher eine noch höhere Bedeutung zukommen: Denn er wird „informierteren Kunden gegenübertreten, die dann zu ihm kommen, wenn es ihnen zu kompliziert wird“, ist Sandra Ficht überzeugt.

Die Aufzeichnung des kompletten 39. Wirtschaftstalks ist in Kürze unter www.bonner-wirtschaftstalk.de zu sehen. Der Bonner Wirtschaftstalk ist eine Gemeinschaftsveranstaltung von SWB Energie und Wasser, der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg und der Sparkasse KölnBonn. Bei der 40. Folge am 1. Oktober 2019 lautet das Thema „BAY AREA TO RHINE AREA – Deutsch-Amerikanischer Wirtschaftstalk“.

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