28.11.2019 „Bonn in Space“: 41. Bonner Wirtschaftstalk beschäftigte sich mit dem Wirtschaftsfaktor Raumfahrt
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Von links: Hartmut Kasper, Dr. Hendrik Fischer, Nathalie Bergdoll, Dr. Markus Neteler, Chiara Pedersoli.

Während im spanischen Sevilla der ESA-Ministerrat „Space 19+“ tagte, um über die Vision der ESA für die Zukunft Europas im Weltraum zu entscheiden, sprachen im Forum der Bundeskunsthalle vier Experten über „Bonn in Space: Wirtschaftsfaktor Raumfahrt“. Damit machte der 41. Bonner Wirtschaftstalk einen alten Menschheitstraum, die Erkundung des Weltalls, zum Thema des Abends, beleuchtete ihn sowohl aus technischer, fiktiver als auch moralischer Sicht.

Moderatorin Nathalie Bergdoll begrüßte dazu auf dem Podium die Raumfahrtingenieurin Chiara Pedersoli, Direktorin Entwicklung und AIT der OHB System AG – sie testet und entwickelt Satelliten. Weiterer Gast war Dr. Hendrik Fischer, der im Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) tätig ist. Gleich neben ihm saß Hartmut Kasper, Autor und „Expokrat" der Perry Rhodan-Hefte, einer seit den 1960ern erscheinenden Science-Fiction-Serie. Ihm gegenüber hatte Dr. Markus Neteler, Geschäftsführer der mundialis GmbH & Co. KG, Platz genommen, der unter anderem von Satelliten erhobene Rohdaten zu wertvollen Informationen für seine Kunden verarbeitet.

Deutschlands Investitionen in die Raumfahrt
Während die Augen aller vier Weltraum-Experten auf den Entwicklungen von Sevilla ruhten, stellte Bergdoll die Frage in den Raum, ob Deutschland im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn denn überhaupt genug Geld in die Raumfahrt investiere. Fischer erläuterte, dass Deutschland zum 5,72-Milliarden-Budget der ESA immerhin 22 Prozent beitrage. Doch betrachte man grundsätzlich, dass die USA 0,24 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in die Erforschung des Weltalls investierten, während es in Deutschland gerade mal 0,047 Prozent seien, bestehe da noch Luft nach oben. Zumal es sich um eine Investition in die Zukunft handle und in einen Zukunftsmarkt, der nicht mehr alleine von Staaten getrieben sei.

Geschäftsmodelle im Weltraum
Damit waren die Stichworte Weltraumtourismus und New Space gefallen, bei dem Unternehmen Ideen und Anwendungen für die kommerzielle Weltraumnutzung entwickeln und zur Marktreife bringen möchten. „Herr Fischer, würden Sie von der DLR als eher technisch versierter Mensch solchen Unternehmen gerne die Flausen aus dem Kopf zentrifugieren?“, fragte Bergdoll. „Nein. Ich halte es zum Beispiel für realistisch, dass wir in den nächsten zehn Jahren das Angebot von Virgin Galactic erleben werden, am Rand des Weltalls stehend, in 100 Kilometer Höhe, die Erde von oben zu sehen.“ Ein Angebot, dass übrigens drei der vier Podiumsgäste nur zu gerne annehmen würden – wenn sie das nötige Kleingeld dazu hätten. „Den Blick aufs Ganze zu haben, Zusammenhänge zu erkennen, das hautnah zu erleben, das fände ich sehr spannend“, so Neteler. Nur Kasper würde eher warten wollen, bis die erste Reisebiografie zu dieser Art von Exkursion erschienen ist, die er dann in Ruhe lesen kann. Solange bringt er lieber weiterhin die Weltall-Abenteuer von Perry Rhodan zu Papier.

Visionen und Wissenschaft
„Braucht es solche Visionen wie in Perry Rhodan-Heften? Kann Wissenschaft davon profitieren?“, fragte Bergdoll in die Runde. „Ja“, war sich Chiara Pedersoli sicher, „Visionen geben Kraft, man sollte nicht aufhören zu träumen, will man sich weiterentwickeln.“ Die Vision von der Besiedlung des Mars ist hingegen gefährlich, meint Fischer. „Der Mars ist nicht wohnlich. Eine Besiedlung käme auch einem Heuschreckenprinzip gleich: Wir fressen einen Planeten leer und wandern weiter. Das kann es nicht sein.“

Die Mär von der Teflon-Pfanne
„Aber kann es der Weltraumforschung gelingen mit Innovationen bestehende Probleme zu lösen?“, hakte Bergdoll nach. „Wir investieren heute schon nicht nur in die Weltraumforschung, sondern in die konkrete Weltraumnutzung. Sie bietet uns wichtige Infrastruktur, zum Beispiel für den Gebrauch von Smartphones oder für Wetterdaten.“ Nur die Teflon-Pfanne habe herzlich wenig mit der Weltraumforschung zu tun. Das Material Teflon wurde nämlich schon 1938 und damit lange vor den ersten Satellitenstarts entwickelt.

Die Aufzeichnung des kompletten 41. Wirtschaftstalks ist in Kürze unter www.bonner-wirtschaftstalk.de zu sehen. Der Bonner Wirtschaftstalk ist eine Gemeinschaftsveranstaltung von SWB Energie und Wasser, der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg und der Sparkasse KölnBonn.

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