Die „Freizeitlinie Bonn – AhrRheinEifel“ (Linie 820) rollt im Sommer ab Ostern jeweils an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von Bonn aus zu touristischen Zielen im Ahrkreis und folgt damit auf bekannten Spuren: Bereits in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es bereits einen ähnlichen Service - die Autobusse der Bonner Verkehrsgesellschaft (BGV).
Die Deutsche Reichszeitung pries am 25. Juni 1925 dieses neue Angebot vollmundig an: „Nun regt sich allerseits neuer, großzügiger Verkehr. Der soll […] die Ferne nah bringen, jede Weite ausgleichen, bequem, ungehindert, billig uns jeden Winkel auch im engeren Heimatland erschließen. Das kann natürlich nur mit dem Kraftwagen geschehen, den aber noch lange nicht jedermann anschaffen und handhaben kann. Das soll und braucht er auch wirklich nicht….“ Schließlich fuhren schon ein paar Wochen später Omnibusse der frisch gegründeten Bonner Verkhersgesellschaft (BVG) durch die Region.
Auf Reifen an die Ahr
Zuvor hatten sich die Stadt Bonn, der Siegkreis, die Kreise Rheinbach, Altenkirchen, Ahrweiler, Adenau, die Rhein-Sieg-Eisenbahn, die Straßenbahn Bonn-Godesberg-Mehlem und der Rheinische Provinzialverband zu dem neuen Verkehrsunternehmen zusammengeschlossen. Die Idee: Das Bonner Umland näher an die Stadt zu binden – und zwar nicht durch ein öffentliches Verkehrsmittel auf Gleisen, sondern durch eines auf Reifen. Autobusse sollten die Bonner schnell und entspannt nach Ahrweiler, Altenahr, Adenau oder Meckenheim bringen. Bislang waren diese Ziele nur schwierig zu erreichen. Eine öffentliche Verkehrsverbindung von oder nach Bonn gab es nicht.
Premiere für die BVG-Busse
Der erste Bus der Bonner Verkehrsgesellschaft startete am 3. August 1925 zu seiner Jungfernfahrt. Schon von außen waren die großen Busse mit ihren sechs riesigen Rädern eine imposante Erscheinung. Und auch im Inneren war die Ausstattung vom feinsten: 40 bequeme Sitzplätze sorgten für den richtigen Komfort während einer Fahrt mit den 55 PS starken Wagen. Die kleinere vierrädrige Variante der BVG-Busse hatte immerhin noch 25 Sitze. Schon bald waren die rollenden Riesenreifen ein alltäglicher Anblick auf den Bonner Straßen.
Von Bonn nach Ahrweiler: Die BVG macht`s möglich.
Wie geplant unterstützten die Autobusse nicht nur das existierende Bonner Straßenbahnnetz, sondern tourten auch ins Umland. So konnten die Fahrgäste an der Endhaltestelle der Straßenbahn Bonn-Mehlem in einen BVG-Bus einsteigen und sich entlang des Rheins über Rolandseck, Oberwinter, Remagen, Kripp und Sinzig bis nach Ahrweiler chauffieren lassen. Eine andere Fernlinie rollte auf der 30 Kilometer langen Route von Bonn über Meckenheim nach Altenahr. Die BVG-Busse brausten mit einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 50 Stundenkilometern über die Straßen.
Mit Ausflugsbussen in den Kurzurlaub
Das neue Verkehrsmittel fand bei den Bonnern schnell großen Anklang. Wie der General-Anzeiger im Dezember 1926 berichtete, nutzten in diesem Monat jeweils rund 18.000 Personen das Angebot und fuhren mit den beiden Fernlinien ins Ahrtal.
Die BVG baute in den folgenden Jahren das Verkehrsnetz ihrer Stadt- und Fernlinien weiter aus. Bald stand auch ein weiterer attraktiver Service auf dem BVG-Fahrplan: Ausflugstouren mit dem Bus ins Rhein-, Ahr- und Moseltal oder in die Eifel. Wer einmal schnell dem tristen Alltag in der Stadt entfliehen wollte, war bei der BVG genau richtig und genoss eine reizvolle Busfahrt mit den neuen Freizeitlinien zu verschiedenen touristischen Highlights im südlichen Bonner Umland.
Stadt übernimmt Kommando
Am 1. April 1932 ging die BVG zu 100 Prozent in den Besitz der Stadt Bonn über und firmierte fortan unter dem Namen „Bonner Verkehrsgesellschaft – Stadt Bonn“. Bislang war die Stadt mit 42 Prozent an der BVG beteiligt. Der neue städtische Verkehrsbetrieb dehnte die Reiseaktivitäten der Busse weiter aus und bot verschiedene Tages- und Mehrtagesfahrten innerhalb Deutschlands und ins angrenzende Ausland an. 1938 konnten die Bonner beispielsweise für 22 Reichsmark zwei Tage mit dem BVG-Bus nach Belgien und Flandern reisen. Die Erweiterung des Angebots hatte Erfolg: Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges beförderte die BVG mehr als zwei Millionen Fahrgäste.
(Tanja Kuhl)