Sechs Stadtbahn-, drei Straßenbahnlinien sowie 44 Buslinien chauffieren unter der Flagge der Stadtwerke Bonn täglich Fahrgäste in alle vier Himmelsrichtungen der Stadt.
Dieser Service von SWB Bus und Bahn wird meist als selbstverständlich hingenommen. Dabei ist den Kunden oft nicht bewusst, dass es den Komfort des ausgedehnten Straßenbahn- und Busnetzes früher nicht gegeben hat. Dieses „Früher“ hat das Team der Konzernkommunikation näher beleuchtet und die historische Entwicklung des SWB-Verkehrsbetriebes von den Ursprüngen bis in die Gegenwart untersucht.
„Päädsbahn“ und Dampfross
Die Entdeckungsreise zu den Anfängen des öffentlichen Nahverkehrs in Bonn führt zurück ins vorletzte Jahrhundert. Zurück in eine Zeit, als die Bonner entweder zu Fuß gingen, sich auf den Drahtesel schwangen oder mit der Droschke fuhren, um innerhalb der Stadt oder der Umgebung von A nach B zu gelangen.
Im April 1891 kam ein neues Fortbewegungsmittel dazu: Die erste Pferdebahn brach zu ihrer Jungfernfahrt auf. Mit der Kraft von einer Pferdestärke war es allerdings ein recht gemütlicher Aufbruch in das Zeitalter des innerstädtischen Nahverkehrs. Ein Jahr später erweiterte sich der Mobilitätsradius der Bonner noch nach Süden. Eine Dampfbahn schnaubte nun in den Kurort Godesberg bzw. seit Mai 1893 weiter bis nach Mehlem.
Die erste „Elektrische“
Der 21. Mai 1902 ist ein weiteres denkwürdiges Datum in der SWB-Verkehrschronik. An diesem Tag überquerte der antike Vorgänger der heutigen Straßenbahnlinie 62 die nagelneue Rheinbrücke nach Beuel. Die Straßenbahn Bonn-Beuel war nicht nur die erste Tram in städtischer Regie, sondern auch die erste „Elektrische“, die durch die Straßen ratterte. Seit diesem historischen Ereignis waren die Weichen in Bonn auf Elektrizität gestellt. Und als die Stadt drei Jahre später das bislang private Pferdebahnunternehmen übernahm, war die Elektrifizierung der Linien bereits beschlossene Sache. Die Pferde bekamen ihr Gnadenbrot, und die Pferdebahnstrecken wurden bis 1909 auf elektrischen Betrieb umgestellt. Ebenso wurde die Dampflokomotive, nachdem auch sie in städtische Hand gelangt war, unter Strom gesetzt. Seit 1911 brauste sie als elektrische Straßenbahn Bonn-Godesberg-Mehlem (BGM) über die Schienen. Die BGM verkehrte also auf einem Teil der Strecke, die heute die beiden Stadtbahnlinien 63 und 16 befahren.
Von SSB zum T-Express
Auch die Stadtbahnlinie 66 zwischen Bad Honnef, Bonn und Siegburg hat Tradition. Der Telekom-Express wird von SWB gemeinsam mit den „Elektrischen Bahnen der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises“ (SSB) betrieben, wobei SWB Bus und Bahn Anfang 2004 die Betriebsführung der SSB übernahm. Das Unternehmenskürzel „SSB“ erinnert an die Zeiten, als noch die „Siegburger“ und die „Siebengebirgsbahn“ durch die rechtsrheinische Region rollten. Im September 1911 starteten die beiden elektrischen Kleinbahnen erstmals von Bonn in Richtung Siegburg bzw. Oberdollendorf (1913 nach Königswinter, 1925 nach Honnef). Damals hieß die Bahngesellschaft noch „Elektrische Bahnen der Kreise Bonn-Stadt, Bonn-Land und des Siegkreises“. Der Name hat sich in Folge der kommunalen Neuordnung des Bonner Raumes 1969 geändert; die Abkürzung „SSB“ ist geblieben, und die enge regionale Zusammenarbeit mit dem Rhein-Sieg-Kreis hält bis heute an.
Busse: Verstärkung für die Bonner Nahverkehrsflotte
Die Wurzeln des SWB-Busunternehmens reichen zwar nicht zurück bis in Kaisers Zeiten, doch weist der Betrieb mit 81 Jahren auch ein stolzes Alter auf. Neben der Stadt Bonn schlossen sich im Jahr 1925 mehrere Städte, Kreise und Verkehrsunternehmen zu der Bonner Verkehrsgesellschaft (BVG) zusammen. Stadtlinienbusse unterstützten das Bonner Straßenbahnnetz, und Fernlinienbusse tourten ins Bonner Umland zwischen Ahrtal und Vorgebirge. Im Jahr 1932 ging der Kraftverkehrsbetrieb zu 100 Prozent in das Eigentum der Stadt Bonn über.
Die große Stunde der Omnibusse schlug in den fünfziger Jahren, nachdem Bonn zur provisorischen Bundeshauptstadt gewählt worden war. Die Straßenbahnen verloren mehr und mehr an Bedeutung und wurden durch die flexibleren Busse ersetzt. Nach Ausdünnung des breit gefächerten Straßenbahnnetzes blieben von den vier Straßenbahnlinien nur noch die Linien 1 und 2 (heutige Linien 61 und 62 mit veränderter Route) bestehen. Die kommunale Neuordnung 1969 bescherte auch dem SWB-Busliniennetz Familienzuwachs: Der Omnibusbetrieb der Stadtwerke Bad Godesberg fand unter dem SWB-Dach sein neues Zuhause.
Diese kleine Zeitreise zurück zu den Ursprüngen des Bonner Nahverkehrs zeigt, dass das SWB-Verkehrsunternehmen aus verschiedenen Verkehrsträgern hervorgegangen ist. Die Geburtsstunde des Verkehrsbetriebes lässt sich deshalb nicht an einem einzelnen Datum festmachen, sondern SWB Bus und Bahn darf gleich mehrmals im Jahr „Geburtstag“ feiern.
(Tanja Kuhl)